Zero Waste im Gemüse-Garten am Beispiel von Gemüsefenchel

 

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Über den Winter hatte sich im Hochbeet ein kleiner Ableger des Gewürzfenchel breit gemacht und ich den richtigen Zeitpunkt verpasst, um den im Frühjahr noch kleinen Ableger ins Blumenbeet zu versetzen. Aus Erfahrung wusste ich, dass sich ein so großer Fenchel leider nicht mehr verpflanzen lässt. Aber das Hochbeet brauche ich für anderes Gemüse – auch wenn mir insgeheim das Herz blutete. Eigentlich hat ein so schönes Exemplar besseres verdient. Zumindest aber wollte ich ihm eine würdige letzte Ehre erweisen.

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Kohlschädlinge lassen sich durch starke Gerüche anderer Pflanzen verwirren

‚Zero Waste‘ ist für engagierte Gärtner dank ihrer Komposthaufen eigentlich keine Neuigkeit, wirklichen Abfall gibt es im Garten, mit Ausnahme kranker Pflanzenteile,  nicht. Aber mein prächtiger, mannshoher Fenchel hat noch Besseres verdient als nur zerschnippelt auf dem Kompost zu landen. Wunderbare Wiederverwertung war angesagt. 

Genauso wie in der Industrie wurde er in seine Einzelkomponenten zerlegt, die Fenchelteile wurden ganz unterschiedlichen Nutzungen zugeführt… Das klein geschnittene Kraut landete als feine Mulchdecke rund um den Spitzkohl und hilft zum einen den Boden feucht zu halten. Ausserdem freuen sich die Regenwürmer über Nahrung. Der starke Fenchelgeruch verwirrt unbeliebte Kohlschädlinge, hält aber natürlich nicht ewig und müsste immer wieder einmal erneuert werden. Zusätzlich zum Fenchelmulch habe ich Ableger von Salbei in die Erde gesteckt. Die Salbeimutterpflanze dankt mit verstärktem Wachstum und aus den Triebspitzen gewinne ich neue Salbeipflanzen. Auch Rosmarin vermehre ich auf diese Art und setze diesen gerne zu Kohlpflanzen.

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Stark riechendes Kraut darf auch kreativ eingesetzt werden und nicht nur als Mulch

Auch der —> Ewige Kohl darf sich über einige aufgestreute Fenchelspitzen freuen – die Wirkung lässt sich gleich beobachten wenn der Kohlweißling kommt, sichtlich irritiert immer wieder Anläufe nimmt, letztendlich aber doch etwas irritiert herumflattert. Der Befall, auch an weißer Kohlfliege, ist deutlich geringer als ohne Fenchelauflage. Ohne Garantie! Natürlich eignen sich statt Fenchel auch andere stark riechende Kräuter oder Gemüseblätter. Zu Kohlpflanzen gebe ich gern auch ausgegeizte Tomatentriebe, Salbei- und Rhabarberblätter. Letztere sind übrigens Allheilmittel für alle Pflanzen. Rhabarberblättermulch setze ich wie unter dem nachfolgenden Link beschrieben auch als Mittel gegen den —> Erdfloh bei Ruccola ein

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Über diese kurzen Fenchelstängel freut sich der Kompost

Großen Schaden kann man mit einer Mulchdecke aus Gemüse und Kräutern nicht anrichten. Doch passen manche Kräuter besser als andere. Ich orientiere mich dabei an Fruchtfolgetabellen und guten Pflanzpartnern. Unverträgliche Nachfolgebepflanzungen eignen sich als Mulch garantiert weniger gut als bewährte Kombinationen. Das Nachschlagen ist immer etwas lästig, erste Hilfe in Bezug auf Beipflanzungen geben spätere Essgewohnheiten. So freuen sich beispielsweise Gurken über Dill oder Tomatenpflanzen über Basilikum.

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Auf das Insektenhotel zugeschnittene Fenchelstängel

Ein Allrounder unter den Gartenpflanzen sind Rhabarberblätter, sie wirken stärkend auf fast alle Pflanzen. Wer seinem Garten etwas Gutes tun möchte, trocknet Rhabarberblätter, pulverisiert diese und gießt davon einen Tee auf – er wird nach Erkalten großflächig im Garten versprühen. Rosen stärkt er genauso wie Gemüse und da robuste, gesunde Pflanzen weniger von Schädlingen heimgesucht werden, ist mit insgesamt weniger Befall zu rechnen. Was ich nicht für Tee benötige, landet also dementsprechend als Mulch auf den Beeten.

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Entgegen der meist ins Hirnholz gebohrten Löcher für Wildbienen & Co, sollte eigentlich wie hier die Rinde belassen und durch die Rinde sauber ins Holz gebohrt werden

Den hübschen, durchaus festen Fenchelstengeln konnte ich nicht widerstehen. Ich versuche diese in einem kleinen Versuch als Bestandteil meiner —> Insektenhotels zu etablieren. Das Mark ist weich genug um von einigen der Wildbienen ausgeschabt zu werden. Ob sich der Stengel insgesamt als fest genug erweisen wird um Schutz zu gewähren, werde ich sehen. Denn sie wissen hoffentlich was sie tun…

Ganz ohne Kompost läuft’s aber nicht: Die kleinen Stängelreste lockern den derzeit zuhauf anfallenden Grünschnitt von Sträuchern (alles handverlesen geschnitten, denn Hecken dürfen derzeit wegen der Vogelbrutzeit ja noch nicht gestutzt werden) auf, der Kompost ist durchlüfteter und die Mikroorganismen werden es danken. Wenn jetzt noch der Versuch mit den Fenchelstängeln für’s Insektenhotel klappt, habe ich sogar eine bleibende Erinnerung an diesen schönen, aber nicht dauerhaft willkommenen Besucher im Hochbeet. Im Herbst werde ich mir die anderen Fenchelstängel auf ihren Nutzen für Insektenhotels auch noch einmal anschauen. Denn natürlich gereifte Stängel weisen eventuell andere Eigenschaften als diese grün und saftig geschnittenen auf…

Das Prinzip ‚Mulchen, Weiterverwerten und Reste auf den Kompost‘ lässt sich beliebig auch auf andere Pflanzen übertragen. Holunderblätter beispielsweise können getrocknet werden für stärkende Teeaufgüsse, die Blätter eignen sich als Mulch, die Stängel als Insektenunterschlupf, den diese selbst aushöhlen. Rhabarberblätter bitte nach der Ernte weiter verwerten: In ganzer Größe eignen sie sich sich wunderbar zur Abdeckung des Komposthaufens oder zum Anlocken und späteren Absammeln von Schnecken in einer ungenutzten Beetecke. Getrocknet wird er als Tee oder zerschnitten als Mulch, wie schon oben erwähnt. Ausgegeizte Tomatentriebe lege ich klein geschnitten unter Kohlpflanzen oder erstelle einen Auszug mit dem ich Kohlpflanzen einsprühe. Ein Hoch auf die damit gelingende Verwirrung von Kohlweißling und Kohlfliege! ; )

 

 

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