Schafgarbe und Wermut als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel gegen Pflanzen-Rost

Jetzt zur Schafgarbenblüte sieht man mich gerne mit Hund, Schere und Erntekorb an der Isar oder auf anderen Wiesen. Hund ist dann zwar nicht ganz so begeistert, denn in seinen Augen sollen lieber Stöckchen fliegen als nach Blumen Ausschau gehalten werden. Aber den Fehler im nächsten Frühsommer ohne Vorräte zum biologischen Pflanzenschutz dazustehen, den macht man nur einmal. Denn falscher Mehltau, Rost und Sternrußtau sind immer eher da als die pflanzlichen Gegenspieler, in diesem Fall die blühende Schafgarbe.

Wermut hab ich im Garten bei den Johannisbeeren stehen. Als wohl einzige Pflanze mögen sie die Absonderungen des Wermutkrauts, er schützt sie zudem vor Säulenrost. Gegen anderen Rost hilft Wermut aber wohl nicht. Was Wermut aber kann: mehr Tipps —–> hier.

Manchmal raucht mir der Kopf von all den Tipps die zu lesen sind und ich bin mir oft nicht sicher was wirklich hilft. Ich befinde mich also auch noch in der Testphase. Ich picke mir einfach von Zeit zu Zeit ein Mittelchen heraus und probiere eine Saison aus. Danach entscheidet sich: was bleibt und was kann weg. Dieses Jahr war der Bohnenrost  Initialzündung mich mit Pflanzenrost zu beschäftigen. Die beiden Jahre zuvor hatten mir die Stangenbohnen nur Freude bereitet – wahrscheinlich hab ich sie deshalb nicht genügend gewürdigt. Dieses Jahr bildeten sich auf den untersten Blättern komische weiße Pusteln – durch Erfahrung klüger geworden schiebe ich nichts mehr weg und denke ‚das wird schon…‘ und ist nur eine kleine Randerscheinung. Jedes Blatt das irgendwie anders und ‚komisch‘ ausschaut will mir etwas erzählen und ruft mich deutlich sichtbar um Hilfe. Erste Maßnahme, immer und sofort: abzupfen und erst mal über den Hausmüll entsorgen.

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Bohnenrost im Anfangsstadium – kleine weiße Pocken, die sich später in bräunlich verfärbte, stäubende Pusteln wandeln

Beim Bohnenrost hab ich mir was Feines eingefangen: es gibt wohl noch nicht einmal ein  einziges Gegenmittel. Weder pflanzlich noch herkömmlicher Art (letzteres kommt sowieso nicht in Frage, aber zeigt die Brisanz). Der Pilz breitet sich von den kleinen, hellen Pocken auf der Blattoberseite später auf dem gesamten Blatt aus und bildet dunkle Sporenlager, die gerne auch auf den Bohnenstangen und in Pflanzenresten überwintern. Eigentlich bin ich selbst Schuld: die ersten Stangen brachen dieses Frühjahr unten im Erdreich ab und der ganze Aufbau erschien mir schon etwas fragil. Ich hätte sie gleich erneuern sollen und wahrscheinlich wäre mir der Bohnenrost erspart geblieben. Aber ich war so froh eine Pflanze zu haben die nicht immer den Standort wechseln muss und einfach mal wenig Arbeit macht. Wieder dazugelernt.

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Die Blüten enthalten die besonderen Wirkstoffe, die ätherischen Öle. Hier etwa 220g frische Schafgarbe-Blüten. 200g frische Blüten entsprechen meist ca. 20g trockenen Blüten – als Kaltwasserauszug werden diese mit 1l Wasser über Nacht stehen gelassen, dann gut ausgepresst…
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Gesammelte Schafgarben-Stengel. Die Blüten als Aufguss helfen gegen Pilz- und Insektenbefall und stärken die Pflanze

Dem Pilz kann ich nicht beikommen, es bleibt nur der Weg die Pflanzen an sich zu stärken. Da mir das mit dem genauso schlecht zu bekämpfenden Birnengitterost bereits erfolgreich gelungen ist (ich sprühe vor bzw. beim Blattaustrieb Schachtelhalm-Extrakt nach Anweisung auf der Packung), bin ich auch jetzt bei dem Bohnenrost voller Hoffnung. Auch hier würde Schachtelhalm weiterhelfen, da ich aber an Schachtelhalm schlecht herankomme und dazu auf gekauften zurückgreifen muss, halte ich mich damit zurück. Schafgarbe verwende ich selbstgepflückt, entweder getrocknet oder frisch als Kaltwasserauszug. Nur die Blüten verwenden, entweder 20g getrocknete oder 200g frisch geerntete Schafgarbeblüten (das sind ungefähr zwei mittlere Müslischalen voll) auf 1l Wasser 24 Stunden einweichen lassen. Kurz vor dem Abseihen noch einmal ordentlich durchkneten um die Wirkstoffe zu lösen. Danach 1:10 verdünnt auf die befallenen Pflanzen sprühen. Hilft gegen Pilzbefall und stärkt wegen des hohen Kieselsäure- und Kaligehalts die Zellstruktur von Pflanzen. Ansonsten bleibt nur die Hoffnung dass die Bohnen trotzdem tragen und der Versuch die Sporen einzudämmen über das sofortige Absammeln befallener Blätter.

Auch hilfreich gegen Pilzbefall: Zwiebeljauche oder Zwiebeltee (letzterer auch gegen Tomaten- und Braunfäule sowie Möhrenfliege), Knoblauchtee, Holunderbeerblätter als Tee oder Aufguss, Rainfarn, Ackerschachtelhalm & Pefferminze (ganze Pflanzen, auch mit Blüten, aber jeweils ohne Wurzel) als Tee oder Auszug. Gerne darf auch gemischt werden, gerade die Schafgarbe wird gerne zusammen mit anderen Wirkstofftees verwandt.

Interessanter Ansatz: Den Boden mulchen mit Grasschnitt, Heu oder Stroh, damit Sporen nicht wieder zur Wirtspflanze zurückkommen können. Da bei meinen Stangenbohnen überwiegend die unteren Blätter befallen sind, könnten sich die Pilzsporen tatsächlich auf oder im Boden oder unten an den Stangen befinden und beim Gießen oder bei Regen wieder nach oben an die Blätter gelangen. Falls Stangen wiederverwandt werden sollen, im Frühjahr mit kochendem Wasser übergießen oder mit Essig einreiben.

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