Saatgut-Tauschbörsen in München

Von Saatgut-Katalogen und bunten Auslagen und den verschiedenen Low-Budget-Möglichkeiten an neue Pflanzen zu kommen... Wer kennt das nicht… Anfang des Jahres schaue ich, wie jeder Gartenbegeisterte,  mit leuchtenden Augen die Samenkataloge der Bio-Anbieter durch oder scrolle die Regale der Gartencenter. Auch ich hatte die Saatgut-Kataloge von Bingenheimer, Dreschflegel und, ganz neu für mich, Magic Garden Seeds, in der Hand – alles Anbieter alter, samenfester Sorten. Während ich in den zwei Jahren zuvor noch mit groben Arbeiten und dem Anziehen von Zinnien für die Blumenbeete beschäftigt war, steht dieses Jahr im Zeichen der selbst gezogenen Gemüsepflanzen. Einige im Vorjahr eher experimentell gesäte, aber hoffnungsvoll gelungene Pflänzchen von Mangold und Brokkoli haben meinen Gemüsegärtner-Ehrgeiz geweckt – nachdem ich mit Tomaten, Filderkraut, Radieschen und Blumenkohl so sagenhaft gescheitert bin. Der Herbst gab mir dann den Rest! Denn mehr als alles andere reizt es mich herauszufinden wie sich der Winter mit frischem Gemüse überstehen lässt. Und da kommt man mit den vorgezogenen Pflänzchen aus den Gartenhandel einfach nicht mehr weiter. Doch davon an ganz anderer Stelle…

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Viel Gartenglück durch private Tauschbörsen : )

Parallel dazu hatte ich ein zweites Aha-Erlebnis der ’Ableger-Art’. Ich hatte mit einem Aushang an meiner Gartentür nach Ablegern der Lampionblume gefragt, die ich in einer dunklen Ecke ansiedeln möchte. Dieses wuchernde Etwas, das für die meisten Gartenbesitzern irgendwann wie Unkraut ist, wird in den Gartencentern so teuer verkauft, dass ich es einfach nicht einsehen wollte. Deshalb der hoffnungsfrohe Aushang. Nur einen Tag später warf mir eine der anderen Gartenbesitzerinnen Ableger der Lampionblume regelrecht über den Zaun – dazu vermeintlich unsanft herausgerissene Stengel einer hohen Herbstaster, die ich eigentlich mehr aus Höflichkeit einpflanzte. Im Herbst bedankte sich die Aster mit einem Feuerwerk an Farben, üppigem Wuchs und mehltaufreiem Blattwerk. Den Wettkampf gegen diese bereits seit Jahren in dieser Schrebergarten-Anlage heimisch gewordenen Astern verloren die im Jahr zuvor aus Gartencentern gepflanzten Astern im hohen Bogen! Mehr Bienen, längere Blühdauer, mehr Blüten – für mich der überraschende Wahnsinn, der mich forschen ließ. Ich weiß jetzt um die unter optimalen Bedingungen gepimpten Pflänzchen, die sich im Garten unter erschwerten klimatischen Bedingungen erst einmal im freien Fall befinden und vielleicht sogar Jahre brauchen bis sie sich von diesem Schock erholt haben. Die Nachbarin aber hat genau die Pflanzen, die mit unseren Schädlingen klar kommen, den Boden kennen. Einmal drauf gestossen: auch der Phlox aus Pias Vater Garten, den ich als kleinen Ableger zum Geburtstag erhielt, nicht ganz fein von Februar bis Ende März im Kistchen hielt, bevor er frostfrei in den Garten gesetzt werden konnte – er passt hierher. Zwei Jahre Vergleich zeigen: Pias lila No Name-Phlox hat den Wettkampf gegen die ursprünglich genauso großen Ableger der Staudengärtnerei Gaissmayer bisher locker gewonnen.

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Der unverwüstliche, wüchsige lila Phlox aus Pias Vater Schrebergarten, nur 3km Luftlinie entfernt und perfekt an den Münchner Boden und das Klima angepasst…

Das hat etwas bewirkt im Köpfchen. Informationen über heimisches Saatgut fielen deshalb auf fruchtbaren Boden. Ausserdem gibt’s es dieses Jahr eine freiwillige, finanzielle Selbstkontrolle nachdem drei Jahre lang alles verfügbare Geld in den Garten gesteckt wurde – der Weg zum großen Tauschen ist also gleich mehrfach geebnet worden. Die Samen oben habe ich von der großartigen Lola erhalten, die mich schier umgehauen hat mit ihrem Umschlag voller Tomaten-, Chili-, Zucchini-, Chicoree-, und Kürbissamen. Aus meinem bescheidenen Anfänger-Saatgut hatte ich leider kaum etwas für sie und hab deshalb eine andere Überraschung gepackt und 2/3 eines gekauften Tütchen ’Forellenschuss’ dazugelegt – ein Tausch, auch über drei Ecken, wollte einfach nicht gelingen. Von allen Lola-Sämereien hab ich nur ein paar selbst behalten und die anderen gleich weiter verteilt – denn von den Tomaten reichen mir zwei Pflanzen einer Sorte locker aus. Lola, Du ahnst nicht wieviel Gartenfans Du mit diesem einen Umschlag glücklich gemacht hast  ; )

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Sämlinge der roten Spornblume 

Wer auch tauschen möchte, der schaut z.B. hier bei –> ’Gartenfreunde München Ost – Tauschbörse & Tipps’ oder entsprechend anderen Gruppen auf Facebook. –> Tomaten-Sammler sind z.B. hier bei Tatjana gut aufgehoben. Die von mir initiierte Gruppe will sich nicht nur auf Saatgut beschränken, sondern kann später im Jahr vielleicht auch den Austausch bereits gezogener Pflänzchen und Ableger vermitteln. Denn jeder zieht eigentlich zuviel von einer Sorte, rupft raus weil seine eigenen Pflanzen zu groß werden. Von den selbst gezogenen Spornblumen oben hätte ich gerne töpfchenweise abgeben, mit so einem freudigen Aufgehen hatte ich gar nicht gerechnet. Und wer nach ’Knollenziest’ oder später im Jahr nach Ablegern vom ’Ewigen Kohl’ sucht: einfach an mich wenden. Wir finden schon etwas zum Tauschen… –> ich suche gerade z.B. nach Saatgut oder Ablegern von Acanthus hungaricus, den Balkan-Bärenklau…

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Tauschen und etwas zum –> Erhalt alter Bohnen-Sorten beitragen lässt sich auch über das Ökologische Bildungszentrum München. Ich mach dieses Jahr zum ersten Mal mit und bin Bohnenvermehrerin für eine ’Frühe Lange’, die leider im –> Bohnensortenarchiv noch nicht gelistet ist und recht unscheinbar ausschaut. Ich hab –> hier Interesse bekundet, bekam 25 Bohnenkerne zugesandt und gebe nach der Ernte mindestens 200 Bohnenkerne ab. Das erscheint mir fast etwas viel, ich hoffe ich bekomm genügend zusammen, aber im Jahr drauf gehört die Ernte mir. Also insgesamt eine WinWin-Situation für beide Seiten. Denn da sich Saatgut nicht unbegrenzt hält, muss auch das ÖBZ regelmässig auffrischen. Mein Tipp für interessierte Bohnenvermehrer: gezielt nachfragen, denn die ’Frühe Lange’ erscheint mir dann doch recht unspektakulär, aber wenn ich es zum Saatgut-Festival unten schaffe, dann ergattere ich dort vielleicht ja noch eine hübsche…

Und weil ich weiß wie glücklich so ein Tütchen machen kann, werde ich an mein Gartentor von Zeit zu Zeit kleine Samentütchen für die zur Schnittgut-Sammelstelle gehenden Nachbarn hängen – beim Grünkohl z.B. lasse ich immer eine Pflanze blühen, einfach weil die Blüte so unglaublich schön und bei den Bienen und Hummeln so überaus beliebt ist, und habe einen Überschuß an ‘No Name’-Grünkohl-Samen. Die Pflanze hab ich damals in einem kleinen Landguthandel in Riem gekauft, Sortenbezeichnungen stehen da leider nie dran – genau deshalb bin ich auch zum Selberziehen gekommen und werde nun ein besserer Gartenmensch…

2. Haarer Pflanzentauschbörse Samstag, 24.3.2018

Himbeerableger gegen selbstgezogene Paprika, überschüssige Akeleien gegen seltene Bohnensorten. Jeder gibt was er hat – wie genau das organisiert wird: auch ich lasse mich überraschen. Getauscht werden die Blumen, Stauden, Samen und Gemüsesetzlinge am Samstag von  11 – 15 Uhr im Innenhof des Poststadels. Wer selbst kein Grün mitbringt, muss nicht mit leeren Händen nach Hause gehen. Gegen eine kleine Spende zugunsten des Landesbund für Vogelschutz können die schönsten Pflanzen aus Nachbars Garten auch erworben werden. Poststadl | Münchener Straße 3 in Haar…

Das Saatgut-Festival am 25.2.2018 

Das –> Saatgut-Festival im Ökologischen Bildungszentrum München bietet Tausch- und Kaufmöglichkeit für Gemüse- und Pflanzenliebhaber. Dabei ist der Saatgutmarkt bis 17 Uhr geöffnet, die Saatgut-Tauschbörse aber nur bis 13 Uhr! Ideal für Gleichgesinnte, die sich austauschen und ganz nebenbei auch noch Geld sparen möchten. Auch für Neulinge von Interesse die vielleicht noch nichts selbst abgeben können – Private Gärtner helfen oft gerne weiter und geben Gratisproben von zuviel gewonnenem Saatgut… Wer Tauschgut mitnehmen kann, der sollte den Sortennamen oder eine aussagekräftige Beschreibung sowie das Erntejahr parat halten. Ökologisches Bildungszentrum München | Englschalkinger Straße 166 | 81927 München

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